Eva (3)

Die Erschaffung der Frau in Gen 2

Anstelle der Jahrhunderte langen, Frauen abwertenden Prägungen ist es an der Zeit, die positiven Inhalte der Bibeltexte wieder neu zu entdecken. Diese könnten das Selbstbewusstsein von Frauen stärken und Mut zu einem guten Leben vermitteln.
Am Anfang des Kapitels wird 'adam (Mensch, die Menschheit) aus der 'adamah (Ackererde) erschaffen. Dieser noch unbestimmte „Erdling“ ist kein Mann, sondern in ihm sind sozusagen beide Geschlechter enthalten. Den Begriff 'adam gibt es nur in der Einzahl, und er ist kein Eigenname. Im Zentrum von Gen 2 steht dann die Erschaffung der Frau. In keinem anderen altorientalischen Schöpfungsmythos wird die Erschaffung der Frau eigens berichtet. Sie ist offenbar eine Eigenart unseres unbekannten Verfassers. Diese Erschaffung findet im Garten (Paradies) statt und hat als Höhepunkt den poetischen Ausruf des Mannes in Vers 23:
Diese ist nun endlich Gebein von meinem Gebein
und Fleisch von meinem Fleisch ist diese!
Damit wird die Gleichwertigkeit von Mann und Frau ausgedrückt, oder wie Karl Rahner einmal gesagt hat: „Sie sind aus dem gleichen Holz geschnitzt!“ Die enge Verbundenheit von Mann und Frau wird so betont. Nach der Erschaffung des Menschen ('adam), der noch unbestimmt war, kommt es jetzt zu den zwei Geschlechtern und dies wird als etwas Gutes, Erfreuliches begrüsst. Erst nach der Erschaffung der Frau wird 'adam (Mensch) zum Mann, erst danach wird von Mann und Frau gesprochen. Das Ziel der ganzen Erzählung ergibt sich aus dem Satz, dass sie wieder „ein Fleisch“ werden wollen (Vers 24). Weil sie aus einem Stück sind, wollen sie immer wieder zu dieser Einheit zurück.
Obwohl unser Verfasser in der Königszeit Israels schreibt (10. – 6. Jh. v. Chr.), einer klar patriarchal strukturierten Gesellschaft, macht er hier Aussagen, die für die Zeit erstaunlich sind.

(Helen Schüngel-Straumann)