Fokus Simone Weil (7)

Das Sakrament des Schönen

 

Für Simone Weil hat die Schönheitserfahrung stets mit Achtung und Anerkennung des Anderen zu tun. Wo Achtung und Selbstbeschränkung fehlen, kann sich das Schöne nicht zeigen. Luxus unterscheidet sich von Schönheit. Reichtum und Macht schützen mich gegen die harte Realität, nur droht mir in all dem Zurichten und Einrichten die Welt abhanden zu kommen.

Das Schöne entlockt mir ein Ja zur Welt. Es wird von Simone Weil deshalb als Pforte zum Labyrinth bezeichnet, in dessen Mitte das Göttliche auf mich wartet. Sie bezeichnet die Schönheit der Welt auch als zärtliches Lächeln Christi.

«Wenn man die Schöpfung nicht liebt, die man sieht, wie sollte man Gott lieben, den man nicht sieht? – Mit wirklicher Liebe; denn nichts ist leichter, als ihn mit einer eingebildeten Liebe zu lieben» (Zeugnis für das Gute, S. 185).

«<Geheiligt werde dein Name.> Alles, was schön ist, ist sein Name.»  (C 3,99).

Bin ich empfänglich für das Schöne?

Sehe ich das Schöne in den einfachen Dingen, in einer Melodie, einem müden Gesicht, einer Geste des Herzens?

Impuls: heute achtgeben auf die Schönheit der Menschen und der Dinge.

Angela Büchel Sladkovic

Quellen: Simone Weil: Zeugnis für das Gute. Traktate, Briefe, Aufzeichnungen. München 1990. Dies.: Cahiers. Aufzeichnungen 3. München-Wien 1996.