Gott der unmöglichen Dinge (7)
Meditation zu Lk 7,36-50
„Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben,
weil sie soviel Liebe gezeigt hat“ (Lk 7,47).
Der Duft von Salböl hängt noch in der Luft,
der Salzgeschmack der Tränen liegt noch
auf der Zunge. Es ist das Schweigen und Erschrecken
das sich bald mit Wortfetzen füllt
Von Gier ist die Rede. Von schlechtem Ruf
Von Beschämung. Von… Und alles durch eine Frau
Oberflächlich betrachtet ist das ein Albtraum:
Es darf nicht wahr sein – sagt das Gesetz
Salbung eines Propheten steht nur Männern zu
Priestern. Propheten…
Eine Frau durchbricht die Regeln der Männer
Ein Unreine? Und der Prophet läss sich berühren?
Jesu Wort steht im Raum. Entlarvend. Wieder einmal
In Vollmacht eines Anderen, eines ganz Anderen
Steht über der Frau. Steht zu ihr und lässt sich
nicht verdrängen. Löst sich nicht auf
Der Köder der Liebe ist ausgeworfen
Die Grenze überschritten, hinter der alles
neu gesagt werden muss: Alle Bilder neu gemalt
alle Geschichten neu erzählt werden
Von Gott und Mensch. Auch die von Frau
und Mann. Priester und Laien. Tod und Leben
Eine neue Gottes- und Menschenschule
ist begründet. In der die Gottesfrage wach
gehalten wird. Tägliches Brot ist. Kostbares
Salböl im Sandgetriebe einer auf Tod hin
angelegten Welt
Eine menschlich-göttliche Lerngemeinschaft
Ab jetzt: Hände, die salben, statt Wunden schlagen
Geöffnete Ohren für Bitten um ein anderes
Königtum. Ein anderes Priestertum. Für alle
Um Vernichtung der Waffen. Um Gemeinschaft in Vielfalt
Um offene Gräber. Fremd und geheimnisvoll
Jedenfalls: keine und keiner wird zurück gewiesen
mit seinem Gesang. Seinem Glauben
Der Richter messerscharfes Urteil wird zum Schweigen gebracht
Nur der Verteidiger hat das Wort. Zweisilbiges Wort
das alle Schuld auf die Felder der Sterblichkeit sät.
Zum Dünger macht für eine neue Welt
Und das Land L I E B E wird satansfrei*.
(* hebräisch: Satan = Ankläger)
w.bruners
