Zwiesprache mit Gott – Psalmen (7)
Nun ist Sonntag und der letzte Tag meiner Impulsreihe zu „Zwiesprache mit Gott, Psalmen“. Ob Sie mit den Überlegungen der vergangenen sechs Tage etwas anfangen konnten?
Ich weiss, dass mir selbst oft die Zweifel, das Leid und das Böse näher sind, als der Jubel und die Freude, was nichts mit meinem biografischen, aber viel mit meinem beruflichen Hintergrund zu tun hat. Doch selbstverständlich sind gerade Dank und Lob in den Psalmen auf vielfältigste und oft wunderbar poetische Weise ausgedrückt. Viele Psalmen laden ein, Gott geradezu voll Begeisterung und aus tiefstem Herzen zu preisen. So übersetzt Martin Buber die Psalmen ja auch als „Das Buch der Preisungen.“
Und damit möchte ich auch schliessen: zu unserer Zwiesprache mit Gott gehört auch, unserem Lob und unserer Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen. Womit, wie es in einem der Hochgebete heißt, wir nichts zu Gottes Grösse hinzufügen, aber selbst reicher werden und, traumatherapeutisch gesprochen, gesünder. Denn wenn ich mir überlege, wofür ich dankbar sein kann, wo ich Gutes erfahren habe und mich freuen durfte, dann fokussiere ich meine Aufmerksamkeit auf das, was hilfreich ist in meinem Leben, ich komme aus einer möglichen Problemtrance heraus. Wir verändern uns, von der Körperhaltung über die Mimik bis zu unseren Gehirnströmen, wenn wir uns mit Ressourcen beschäftigen statt mit dem, was belastet. Auch hier können die Psalmen uns wieder mitnehmen, uns durch ihr Jubilieren, ihren überschwänglichen Dank, ihre grosse Freude und vor allem durch ihr immer neues Staunen über Gottes Grösse aus der Erstarrung lösen, uns bewegen und mitreissen.
Dank also, Lobpreis lehren uns die Psalmen, und das nicht nur aus tatsächlich freudigen Anlässen, auch nicht nur konkret für dieses oder jenes. Es geht nicht einmal ausschließlich um den Dank für Gottes Liebe und das Lob göttlicher Treue. Sondern jubelnde Freude „einfach so“ – weil es Gott gibt.
(Sr. Lioba Zahn OSB)
