Zwiesprache mit Gott – Psalmen (6)
Fest des heiligen Benedikt - über 1500 Jahre ist seine Regel alt, und doch kann ich mit seiner Hilfe meine Impulsreihe zum Thema „Zwiesprache mit Gott, Psalmen“ gut weiterführen, denn es geht ja darum, die Psalmen als Schule des Gebetes, als Sprachmuster für ein Gespräch mit Gott zu bedenken und darin sowohl die schönen, vertrauensvollen, jubelnden Verse, wie auch die verzweifelten, klagenden wahrzunehmen. Und hier hilft Benedikt: einmal mit seiner Betonung der Ganzheitlichkeit, denn Körper und Geist sollen beim Psalmodieren eine Einheit bilden, in unserer Körperhaltung soll unsere innere Haltung zum Ausdruck kommen. Und zweitens ist für ihn der gemeinschaftliche Gesang wichtig. Die Mönche (und Nonnen) sollen sich voll Eifer zusammenfinden, um gemeinsam zu singen, sie sollen sich gegenseitig zum Gebet ermuntern, sich bestärken und stützen, denen, die schwach sind, helfen, aufeinander Rücksicht nehmen. Die Regel ist voll von dieser gegenseitigen Hilfe und Rücksichtnahme, auch in Bezug auf das Gebet. Wir erkennen hier einen wichtigen Aspekt: wir beten eigentlich nie allein. Wir sind – ganz unabhängig von konkreten Gemeinschaftsbezügen wie Kloster oder Pfarrgemeinde – Glieder am Leib Christi, Teil des Gottesvolkes. Und wir sind füreinander verantwortlich.
Natürlich steht jede und jeder auch ganz persönlich vor Gott, ist die persönliche Gottesbeziehung wichtig. Aber unseren Glauben gibt es nicht in „Portionsgrösse für Singles“, Glaube ist immer Glaube in Gemeinschaft. Und so satt und sicher, so geborgen und frei ich mich auch fühle: wenn ich mich an Gott wende, tue ich das immer auch stellvertretend für all die Menschen, die es nicht können. Klagepsalmen, Fluchpsalmen kommen auch mir oft schwer über die Lippen, aber ein Blick in die Zeitung, ein Gespräch über den Missbrauchsskandal in der Kirche, ein Bericht über Zwangsprostitution – da weiss ich wieder, dass Gott auch jenen Opfern / Überlebenden eine Stimme geben will. Und wo sie nicht können, da dürfen wir für sie eintreten, unsere Stimme für sie erheben. Eintreten dürfen wir auch für die, die nicht vor Gott treten wollen, und wir tun das nicht, um anderen unseren Glauben überzustülpen, sondern um sie in das, was uns lebenswichtig ist, einzubeziehen.
Auch das ist Zwiesprache mit Gott, ist sein Geschenk an uns: Teilhaben zu dürfen am Heilsplan, der alle Menschen in das behütende Licht seines Angesichts hüllen, wie eine Mutter trösten und ihnen das wahre Leben in Fülle schenken will.
(Sr. Lioba Zahn OSB)
