Zwiesprache mit Gott – Psalmen (3)

 

Kennen Sie den Satz „Jeder Mensch sollte jeden Tag eine Stunde Zeit mit Gott verbringen – ausser, wenn viel zu tun ist, dann sollten es zwei Stunden sein“?

Für mich klingt das, ehrlich gesagt, an manchen Tagen doch eher weltfremd.

Nun bin ich Nonne, lebe in einem benediktinischen Kloster, in dem wir viermal am Tag in der Kirche sind, insgesamt knapp drei Stunden, dazu noch mindestens eine halbe Stunde für Lectio Divina ... und doch: Eine Stunde am Tag für Gott? Wie oft bin ich in Gedanken ganz woanders, schaue heimlich auf die Uhr („Wie lange dauert die Predigt denn noch?!“) oder schaue mich in der Kirche um („Die müsste wirklich mal wieder gestrichen werden, aber wie sollen wir das finanzieren?!“).

Ich nehme an, dass Sie ähnliches aus Ihren Zeiten für und mit Gott kennen, jedenfalls die meisten von Ihnen. Was kann unter diesen Voraussetzungen an Zwiesprache mit Gott überhaupt stattfinden? Auf die Gefahr, dass es bei Ihnen als Ausrede ankommt, die Psalmen meinen sehr viel. „Du kennst meine Gedanken genau, o Herr“, „Du bist immer bei mir“. Was durch ein vergiftetes Gottesbild als „big brother is watching you“ oder, moderner, „die NSA hört alles mit“ wirken kann, ist gemeint als Ausdruck der Nähe, der Geborgenheit, der liebevollen Aufmerksamkeit, denn Gott ist treu in seiner Nähe. Es fällt mir oft fällt schwer zu glauben, dass, auch wenn ich mich entferne, Gott nahe ist, denn es gilt: seine „Treue ist so weit wie die Wolken“. Die Offenbarung sagt: Gottes Liebe ist eine persönliche, eine ganz und gar persönliche. Du bist von Gott geliebt und „seine Treue währt ewig“. Aus den Psalmen können wir daher die Zuversicht schöpfen, dass wir all unsere alltäglichen Freuden und Nöte, selbst noch das, was uns ablenkt von Gott, ihm darbringen können. Wir dürfen Gott nicht nur unsere in Kontemplation und Meditation geleerten, sondern auch unsere mit Kleinkram oder mit der Bratpfanne (so die hl. Theresia) gefüllten Hände hin halten. Wir dürfen unsere krausen Gedanken ohne Beschönigung vor ihm denken (ein Aspekt der Fluchpsalmen, den wir nicht unterschätzen sollten, aber bitte: es geht ums Denken, nicht ums Handeln!).

Das eben gesagte ist kein Freibrief für Faulheit oder Gleichgültigkeit, Beziehungen, auch die mit Gott, müssen wir pflegen, unserer Liebe Ausdruck verleihen. Und zwar nicht nur mit schönen Worten, sondern auch mit Zeit, die wir unserem Gegenüber wirklich schenken. Aber perfekt sein müssen wir vor Gott nicht.

(Sr. Lioba Zahn OSB)