Begegnung (5)
Schutzpatron der Theologen
„Ich glaube, ich zweifle" – so heisst das Buch von Günther Weber, das in der Bibliothek gut sichtbar an einer Ecke steht. Schon das Johannesevangelium weiss, dass beides zusammen gehört: Es beschreibt, wie der Apostel Thomas mit Jesus sterben will, wenn es sein muss (Joh 11,16). Als Jesus dann aber hingerichtet wird und es heisst, er sei auferstanden, ist das zu viel: Er will nur noch glauben, was er sehen und anfassen kann. Doch wie für so viele Menschen des Neuen Testaments bedeutet eine Begegnung mit Jesus auch für Thomas eine fundamentale Wende und er kommt als erster zum Bekenntnis der ersten Christen: „Mein Herr und mein Gott" (Joh 20,24-29).
Der ungläubige Thomas? Statt ihn abzustempeln, sollten wir besser selber auch Zweifel zulassen und so einem umso tragfähigeren Glauben eine Chance geben. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass mit einem, der auch schon gezweifelt hat, das Gespräch einfacher ist als mit einem, der keine Fragen zulassen kann. Da passt es gut, dass Thomas der Schutzpatron der Theologen ist. Möge er sie nicht vor dem Zweifeln bewahren, sondern davor, nie zu zweifeln. Und die Kirche vor Verantwortlichen, die nie zweifeln.
Also: Ich glaube, ich zweifle. Aber ich zweifle nicht daran, dass ich dabei glaube.
(Petra Mühlhäuser)
