Begegnung (1)
Konfrontationskurs
Petrus und Paulus – zwei Grössen aus dem Neuen Testament und aus den Anfängen der Kirche begegnen sich (Gal 2,11 ff.). Und geraten an einander. Eigentlich hatte man sich darauf geeinigt, dass die zum Christentum bekehrten Heiden nicht all die jüdischen Gesetze einhalten müssten. Doch der Galaterbrief berichtet davon, dass sich Petrus und einige andere weigerten, vor anderen Juden mit diesen Heidenchristen zu essen, obwohl sie das vorher getan hatten. Denn Juden assen nicht mit Heiden. Petrus wollte Konflikten aus dem Weg gehen.
Paulus hingegen scheute den Konflikt nicht: Er konfrontierte Petrus mit seinem Meinungswechsel. Mehr noch: Er warf ihm Unaufrichtigkeit, ja Heuchelei vor. Harte Worte, die man zumindest in unseren Breitengraden nicht so schnell in den Mund nimmt. Gerade in katholischen Kreisen hat man es am liebsten harmonisch, oft auch allzu harmonisch. Doch völlig vermeiden lassen sich Konflikte auch in der Kirche nicht. Wie gehen wir damit um? Gehen wir ihnen aus dem Weg? Oder benennen und diskutieren wir sie? Im Fall der beiden Apostel führte der Konfrontationskurs des Paulus letztlich zur vollen Gleichheit der Heidenchristen. Und diese stellten sich als die Zukunft der jungen Kirche heraus.
(Petra Mühlhäuser)
