Die Taufe ernstnehmen und Grenzen überschreiten (6)
Weg zu mehr Katholizität?
In der heutigen Lesung aus der Apostelgeschichte ist vom Ehepaar Priszilla und Aquila die Rede. Dass Priszilla als Mitarbeiterin des Paulus, also als Verkünderin des Evangeliums an verschiedenen Stellen jeweils vor ihrem Mann genannt wird, lässt aufhorchen. Ihr Beitrag zur Ausbreitung des Christentums wurde offensichtlich als wichtiger angesehen als der des Aquila. Das überrascht auch im 21. Jahrhundert. Im aktuell geltenden Gesetzesbuch der Kirche kann die Frau im Unterschied zum Mann nicht dauerhaft, sondern nur aufgrund einer zeitlich begrenzten Beauftragung liturgische Dienste wahrnehmen (vgl. CIC, can. 230). Das Geschlecht der Person wird von der Kirche auch im 21. Jahrhundert noch höher gewertet als die Taufe. Papst Franziskus ruft dazu auf, neue Wege zu suchen, die der Frau ihren Platz in der Kirche nicht nur versprechen, sondern auch ermöglichen. Das Resultat wird nicht eine Theologie der Frau sein, gemacht von Männern, sondern eine Vertiefung und Bereicherung der Theologie überhaupt, entdeckt von Getauften, Frauen und Männern. Das ist nicht eine Anpassung an den Zeitgeist, sondern wachsende Treue in der Berufung und mehr Katholizität.
(P. Martin Werlen OSB)
