Die Taufe ernstnehmen und Grenzen überschreiten (5)

Frau aus der Ferne?


Weil Gott im Zentrum ist, ist auch der Mensch im Zentrum. Nicht im Sinn der schillerschen Ode ‚Seid  umschlungen Millionen‘, sondern der konkrete Mensch. Du und ich. Da geht es nicht mehr um Arme und Reiche, um Einheimische und Ausländer, um Selbstständige und Abhängige, um Kinder und Erwachsene, um Mann und Frau (vgl. Gal 3,28). Wir bekennen vieles mit grösster Selbstverständlichkeit. Aber leben wir das auch wirklich? Bis 1994 durften Frauen offiziell nicht den Ministrantendienst wahrnehmen. Im Kirchenrecht von 1917 hiess es ausdrücklich im Canon 813: „Ein Priester soll keine Messe feiern ohne einen Ministranten, der ihn bedient und ihm die Antworten gibt.

Messdiener darf keine Frau sein; wenn aber ein Mann fehlt, soll aus berechtigtem Grund nach der gleichen Verordnung eine Frau aus der Ferne antworten, und auf keinen Fall an den Altar herantreten.“ Hier ist es offensichtlich: Das Geschlecht der Person wird von der Kirche auch im 20. Jahrhundert noch höher gewertet als die Taufe.

(P. Martin Werlen OSB)