Mut zur theologischen Grenzüberschreitung

These 2: Notwendig ist der Schritt über die Grenze des theologischen Denkens

 

Wie könnte ein Dialog zwischen den Bischöfen und den Frauen aussehen?

Jesus begegnet auf dem Gebiet der heidnischen Städte Tyrus und Sidon einer Frau, die ihn laut schreiend um die Heilung ihrer Tochter bittet. Das Verhalten Jesu ist brüskierend: Zunächst ignoriert er sie, und dann scheint er seine Ablehnung noch theologisch zu rechtfertigen: Es sei nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Die Botschaft ist klar: Du gehörst nicht dazu, ich habe dir nichts zu geben. Und dann erfolgt die souveräne Antwort der Frau: „Gewiss, Herr! Und doch fressen ja die Hunde von den Brocken, die vom Tisch ihrer Herren fallen“ (Mt 15,27). Das ist weder patzig-beleidigt noch unterwürfig-demütig, sondern sie widerspricht ihm geistesgegenwärtig und entschlossen im gleichen Bild, das er gewählt hat. Sie argumentiert theologisch! Und tatsächlich – der Herr gibt sich geschlagen! „Frau, dein Glaube ist gross“ (Mt 15,28). Das klingt erstaunt, überrascht, anerkennend. Jesus entdeckt bewundernd einen Glauben in der Frau, dem er sich unterstellt: „Was du willst, soll dir geschehen“ (Mt 15,28).

Jesus lernt vom Glauben der Frau, und das vor den Augen seiner
Jünger. Er lässt sich herausfordern und übrzeugen; die Überraschung der Erzählung liegt in der Umkehr Jesu über die Grenzen seines eigenen theologischen Denkens hinaus, die durch den Glauben der Frau provoziert wird.

Ist der Mut der Frau und die Demut des Herrn
nicht ein wunderbares Modell für den Dialog
zwischen den Bischöfen und den Frauen?

(Sr. Margareta Gruber OSF)