Ich bin nicht indifferent, wenn es um Frauen geht. Schon gar nicht, wenn es um Frauen in der Kirche geht. Zu tief sitzen das Kopfschütteln und das Nicht-Verstehen dessen, was Frauen in der Kirche von der Vorderbühne auf die Hinterbühne drängt.
Joh 20,17b „… geh zu meinen Brüdern und sag ihnen von mir: ‚Ich kehre zurück zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.‘“ 18 Maria aus Magdala ging zu den Jüngern und verkündete: „Ich habe den Herrn gesehen!“ Und sie richtete ihnen aus, was er ihr aufgetragen hatte.
Das „Prinzip und Fundament“, das wir in dieser Woche meditiert haben, bringt den Glauben an den Gott der Bibel auf den Punkt. Ignatius formuliert darin die Handlungsanweisung, die daraus folgt, wenn Gott für einen Menschen wirklich Gott geworden ist. Gott ist die alles bestimmende Kraft geworden.
„Unser einziges Verlangen und die einzige Wahl soll sein: Ich begehre und wähle stets, was mich mehr zum Ziel hinführt, zu dem ich mit allen Mitmenschen und Geschöpfen zusammen geschaffen bin.“
„So müssen wir uns im Alltagsleben angesichts aller Geschöpfe und Dinge stets um grössere, innere Freiheit bemühen, insofern ich frei entscheiden kann und nicht durch Verpflichtung gebunden bin oder es mir verboten ist. Wir begehren von unserer Seite Gesundheit nicht mehr als Krankheit, Reichtum nicht mehr als Armut, Ehre nicht mehr als Ehrlosigkeit, langes Leben nicht mehr als kurzes, und dem entsprechend in allen übrigen Dingen.“
„Die andern Geschöpfe und Dinge auf Erden haben ihre eigene Würde und sind geschaffen, auf dass sie uns Menschen bei der Verfolgung des Ziels helfen, zu dem wir geschaffen sind. Daraus folgt, dass wir uns zu ihnen so in Beziehung setzen, wie es ihnen entspricht. Wir gebrauchen sie soweit, wie sie zum Ziele dienen, zu dem wir geschaffen sind, und wir lassen sie insofern sie uns daran hindern.“
„Gott schenkte uns das Leben, weil er uns liebt. So sind wir Menschen geschaffen – männlich und weiblich – dazu hin, Gott, den König Israels und Vater Jesu Christi zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen, sowie die Mitmenschen zu lieben. Dadurch finden wir auch Erlösung für unser Leben.“
Ignatius von Loyola (1492 – 1556) war der herkömmliche Glaube zu oberflächlich. Sein Glaube ist zerbrochen. Nur durch spirituelles Üben fand er zu einem neuen Fundament. Kein Tag ohne eine Übung.
Glauben ist vielfältig. In verschiedenen Epochen haben ihn Christinnen und Christen unterschiedlich zum Ausdruck gebracht. Auch in verschiedenen Lebensphasen verändert er sich. Die Frage aber lautet, was ist der bleibende Kern?
Nun ist Sonntag und der letzte Tag meiner Impulsreihe zu „Zwiesprache mit Gott, Psalmen“. Ob Sie mit den Überlegungen der vergangenen sechs Tage etwas anfangen konnten?
Ich weiß, dass mir selbst oft die Zweifel, das Leid und das Böse näher sind, als der Jubel und die Freude, was nichts mit meinem biografischen, aber viel mit meinem beruflichen Hintergrund zu tun hat. Doch selbstverständlich sind gerade Dank und Lob in den Psalmen auf vielfältigste und oft wunderbar poetische Weise ausgedrückt.
Fest des heiligen Benedikt - über 1500 Jahre ist seine Regel alt, und doch kann ich mit seiner Hilfe meine Impulsreihe zum Thema „Zwiesprache mit Gott, Psalmen“ gut weiterführen, denn es geht ja darum, die Psalmen als Schule des Gebetes, als Sprachmuster für ein Gespräch mit Gott zu bedenken und darin sowohl die schönen, vertrauensvollen, jubelnden Verse, wie auch die verzweifelten, klagenden wahrzunehmen.
Gestern schrieb ich Ihnen über Gott, der zwar das Leid nicht verhindert, der aber Zeuge des Leides ist und so „garantiert“, dass es nicht einfach geleugnet werden kann: „All unsere Tränen sind bei dir verwahrt.“
Heute möchte ich Sie einladen, einmal unter diesem Blickwinkel die sogenannten Fluchpsalmen zu bedenken, die uns oft so abstoßend blutrünstig erscheinen.
Gestern schrieb ich Ihnen über die Beziehung zu Gott, dass, auch wenn wir wankelmütig sind und unsere Aufmerksamkeitsspanne manchmal eher gen Null tendiert, Gott dennoch da ist und der Zusage seiner Nähe treu bleibt.
Doch wie geht das zusammen mit unserer Erfahrung, das Gott fern ist, zu schweigen scheint, vielleicht gar nicht existiert?
Kennen Sie den Satz „Jeder Mensch sollte jeden Tag eine Stunde Zeit mit Gott verbringen – außer, wenn viel zu tun ist, dann sollten es zwei Stunden sein“?
Jede menschliche Regung verdankt sich einem Impuls.
Trägheit, Unlust, der Ballast der alltäglichen Mühen, der Sog der Gewohnheit – so vielfältig unsere guten und oft auch weniger guten Gründe, uns nicht zu bewegen, auch sind: wir sind berufen, zu wachsen, uns zu verändern, unsere Gottebenbildlichkeit immer mehr zum Vorschein kommen zu lassen, ja, wie es die Kirchenväter ausdrücken, sogar vergöttlicht zu werden.
Von den OrganisatorInnen wurden die Impulse dieser Woche unter die Überschrift „Zwiesprache mit Gott, Psalmen“ gestellt. Als ich das las, musste ich zunächst einmal schlucken, denn in diesen Stichworten ist so ziemlich alles enthalten, was christliches Leben ausmacht.
„Du studierst Theologie? Dann willst Du Pfarrerin werden?“ Manchmal laufen Begegnungen immer wieder nach demselben Muster ab. Und so spart sich die Studentin seit einiger Zeit die Erklärung, dass es das in der katholischen Kirche nicht gibt, und sagt stattdessen: „Nein, Päpstin.“
St. Gallen, Stiftsbibliothek. Es geschah im Gang vor dem Bibliothekssaal, dort, wo die Filzpantoffeln übergezogen werden. Die Luft, die die beiden umgab, war wie elektrisiert, sie schien geradezu zu knistern.
„Ich glaube, ich zweifle" – so heisst das Buch von Günther Weber, das in der Bibliothek gut sichtbar an einer Ecke steht. Schon das Johannesevangelium weiss, dass beides zusammen gehört: Es beschreibt, wie der Apostel Thomas mit Jesus sterben will, wenn es sein muss (Joh 11,16).
Wer ist schutzbedürftiger als eine Schwangere und ihr ungeborenes Kind? Zwei Frauen in Erwartung begegnen sich in der Erzählung vom Besuch der Maria bei ihrer Verwandten Elisabeth.
„…auf die Fürsprache Deiner Namenspatronin…" – der Priester, der den Segen spendet, weiss genau, dass sein Gegenüber Petra heisst und daher einen männlichen Namenspatron haben muss. Den Petrus, den Felsen, auf dem die Kirche steht, Vorläufer aller Päpste, für viele Inbegriff der Amtskirche und damit der ausschliesslich männlichen Kirchenhierarchie. Das scheint schlecht zu passen zu einer Frau.
„Petrus und Paulus sind die grossen Säulen der Kirche", verkündete der Pfarrer in seiner Predigt zu Peter und Paul. „Da sind wir nur kleine Säulein." Es braucht viel dazu, eine andächtig lauschende Gottesdienstgemeinde zum Lachen zu bringen, aber diesmal gelang es.
Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besässe und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. (1 Kor 13,1f)
In der seelsorglichen Begleitung habe ich gelernt,
Noch einmal Jeremia: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, Klein und Gross, werden mich erkennen – Spruch des Herrn. (Jeremia 31,33f)
Erkennen hat die Bedeutung von ‚lieben’ im Hebräisch. Gott hat den Anfang seiner Liebesgeschichte mit mir in mein Herz geschrieben.
Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schliesse – Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, Klein und Gross, werden mich erkennen – Spruch des Herrn. (Jeremia 31,33f)
Das Gesetz, die Weisung zum Leben, hat Adonai in die Herzen von allen geschrieben!
Aber der Herr erwiderte mir: Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten - Spruch des Herrn. Dann streckte der Herr seine Hand aus, berührte meinen Mund und sagte zu mir: Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund. Sieh her! Am heutigen Tag setze ich dich über Völker und Reiche; du sollst ausreissen und niederreissen, vernichten und einreissen, aufbauen und einpflanzen. (Jeremia 1,7-10)
Meine Erfahrung nach 25 Jahren Seelsorge und Bildungsarbeit:
Das Wort des Herrn erging an mich: Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoss hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt … Dann streckte der Herr seine Hand aus, berührte meinen Mund und sagte zu mir: Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund. (Jeremia 1,4-9)
Ehe es wächst, lasse ich es euch erlauschen! (Jesaja 42,1)
Lange haben wir das Lauschen verlernt! Hatte Er uns gepflanzt einst zu lauschen Wie Dünengras gepflanzt, am ewigen Meer, Wollten wir wachsen auf feisten Triften, Wie Salat im Hausgarten stehn.
Prophetische Gabe – das verbinde ich zuallererst mit meiner Taufe. Da wurden mir mit dem Effata-Ritus die Ohren geöffnet und die Lippen. Ich stelle mir vor, wie der Seelsorgende ganz behutsam meinen kleinen Baby-Mund und meine kleinen Ohren berührt hat. Die Mutter und die Paten standen dicht dabei und betrachteten das Geschehen mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Angerührt-Sein.
Am Schluss von Kapitel 3 gibt der Mensch der Frau einen Namen: ḥawwah. Dies heisst „Mutter alles Lebendigen“ und ist ein Ehrentitel. Er ist abgeleitet von ḥaj (Leben). Eigentlich passt er hier nicht, vermutlich ist dies ein späterer Zusatz, ursprünglich handelt es sich wohl um den Namen einer antiken Göttin. Überall wird von „Adam und Eva“ als den ersten Menschen gesprochen. Aber diese Zusammenstellung kommt in der ganzen Hebräischen Bibel ausser hier nie mehr vor ...
Die drei poetischen Sprüche am Ende von Gen 3 über die Schlange, die Frau und den Mann, haben sehr starke Wirkung auf ein christliches Frauenbild gehabt. Man hat diese Sätze als „Strafsprüche“ verstanden. Dabei ist die eigentliche Strafe, wenn man denn so sprechen will, die Vertreibung aus dem Garten. Die drei Sprüche dagegen sind Zustandsschilderungen. Sie zeigen die Realität auf, wie sie zur Zeit des Verfassers ist ...
Warum eigentlich durften die Menschen von dem einen Baum nicht essen? In Gen 2 wurde dem Menschen ein Verbot gegeben und gesagt: „Sobald du davon isst, musst du sterben!“ Die Schlange aber sagte zur Frau: „Nein, ihr werdet gewiss nicht sterben ...“ Die Frau wollte „klug“ werden; dies ist sicher ein positives Motiv. Die Schlange hatte ja sogar recht, die Menschen sterben nicht, d. h. sie fallen nach der Tat nicht tot um, sondern sie werden später aus dem Garten vertrieben. Was ist also mit dem Bösen und dem daraus folgenden Tod gemeint ...
Während Gen 2 ein Idealbild zeigt, wie Gott die Zweiheit der Geschlechter beabsichtigt hat, zeigt nun Gen 3 auf, wie die Wirklichkeit aussieht. Beide Kapitel sind nicht in einer historischen Reihenfolge zu verstehen, sondern es sind Symbolgeschichten, die nebeneinander stehen. Man darf also nicht nach „vorher“ und „nachher“ fragen, etwa: Was wäre passiert, wenn sie nicht gegessen hätten ...
Anstelle der Jahrhunderte langen, Frauen abwertenden Prägungen ist es an der Zeit, die positiven Inhalte der Bibeltexte wieder neu zu entdecken. Diese könnten das Selbstbewusstsein von Frauen stärken und Mut zu einem guten Leben vermitteln. Am Anfang des Kapitels wird 'adam (Mensch, die Menschheit) aus der 'adamah (Ackererde) erschaffen ...
Die Erzählungen von Paradies und Sündenfall gehören zur Weltliteratur. Zumeist sind aber die späteren Erklärungen und die Abwertung von Frauen bereits in unsere Erfahrungen eingeflossen. So liest niemand die Geschichten unbefangen, sondern meist schon belastet von einer langen frauenfeindlichen Tradition. So muss wie bei einer Grabung erst ein Berg von Schutt abgetragen werden, bis man ...
Als Bibelwissenschaftlerin und feministische Theologin möchte ich mich kurz vorstellen: Geboren 1940 in St. Gallen, aufgewachsen in fünf Schweizer Kantonen, studierte ich später kath. Theologie in Tübingen, Paris und Bonn, wo ich als erster Laie promovierte (Altes Testament). Von 1987 – 2001 war ich Professorin für Biblische Theologie in Kassel, seit 2009 wohne ich wieder in Basel.
Die erste Frau in der Bibel beschäftigt mich schon sehr lange ...
Unsere Welt braucht beherzte Frauen und Männer, die miteinander eine beharrliche Geduld einüben. Es bedeutet, einen langen Atmen der Hoffnung zu leben. Es lässt mich annehmen, dass ich die Früchte meines Engagements vielleicht nicht ernten kann. Achtsame Menschen üben miteinander
Achtsame Menschen lassen sich nicht leben. Sie wagen Widerstand für einen ausgeglichenen Lebensrhythmus. Dem unmenschlichen Diktat der Schnelligkeit und Machbarkeit setzen sie eine Kultur der Aufmerksamkeit entgegen. Die kämpferische Mystikerin Simone Weil (1909 – 1943) kann uns auf einem politischen Achtsamkeitsweg inspirieren.
Achtsame Menschen Achtsamkeit ist eine spirituelle Grundhaltung. Es ist keine Methode, um perfekt zu werden. Achtsame Frauen und Männer nehmen immer wieder wahr, was jetzt ist, ohne es immer schon bewerten zu müssen. Aufmerksame Menschen suchen in all ihren Lebensvollzügen eine göttliche Spur. Achtsame Menschen begegnen sich selbst und anderen mit Wohlwollen.
Der Teufel führt Jesus auf den Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Pracht und sagt zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. (Mt 4,9)
Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heisst in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuss nicht an einen Stein stösst. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heisst es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. (Mt 4,5-6)
Einem Pilger wurde in einem Kloster zum Übernachten ein ärmlich eingerichtetes Zimmer angeboten: „Sind auch die Zimmer der Mönche alle so?“, fragte er. Als dies bejaht wurde, meinte er: „Für mich ist das ganz in Ordnung. Als Pilger bin ich nur kurz zu Gast. Aber Ihr?“ Darauf ein Mönch: „Wir sind auch nur auf der Durchreise.“
Alles klar. Und doch ist es für mich nicht immer so klar, schon wenn ich meine unterschiedlichen Arbeiten betrachte. Wenn ich das Bad putze ist das Arbeit. Gleich wie wenn ich meinen Unterricht vorbereite oder eine Predigt schreibe. Und wie ist es mit der Arbeit von Mann und Frau?
Beziehung. Das bedeutet für mich: Ich kann nicht nur aus mir selber leben. Ich bin – wie alle Lebewesen – auf andere angewiesen. Wir brauchen Kontakt, Berührung, Unterstützung, gegenseitig, um wachsen und lernen zu können. Sehen und Gesehenwerden, Hören und Gehörtwerden, Fühlen und Gefühltwerden, heisst leben können. Gilt dies auch für Gott?
Die Geschichte der Kirche zeigt, dass das Ideal der Geschwisterlichkeit zwar gerne betont wird, strukturell aber noch immer nicht verwirklicht ist. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Geschwisterlichkeit in der Kirche auch einmal strukturell und rechtlich umgesetzt wird. Für eine Kirche mit den Frauen…
Sie hat ihm die Hemden gebügelt und den Anzug an die frische Luft gehängt. Sie hat das Frühstück vorbereitet und zugehört beim Mittagessen. Wenn er am Abend spät erst heimkam, hat sie ihm noch etwas zum Essen beiseite gestellt. Nun ist er hochbetagt gestorben.
Ich möchte lernen, meinen Blick zu schärfen für jene, die an sich dazu gehören, aber nicht sichtbar werden. Hier ist es allenfalls Lazarus, häufig sind es Frauen oder Kinder oder Menschen mit einer Einschränkung oder…
Das Neue Testament kennt einen besonderen Begriff für die Gemeinschaft derjenigen, die Jesus nachfolgen: Koinonia. Zur Nachfolgegemeinschaft gehören Männer und Frauen. Sie nehmen gegenseitig aneinander Anteil und lassen sich auf eine Lebensgemeinschaft miteinander ein.
Ruah hat uns in den vergangenen Tagen begleitet – Atem und Geist, Weite und Raum, fast möchte ich sagen: Leben. Für mich gehört, gerade am Pfingstsonntag, noch eine Kraft dazu, von der noch nicht die Rede war: Humor.
Sich als Kirche auf den Weg machen – mit Ruah als Begleiterin. Papst Franziskus gibt Hoffnung dafür. Papst Johannes XXIII. hat es konkret gelebt, er öffnete die Fenster der katholischen Kirche, um frischen Wind herein zu lassen.
Woran kann man merken, dass Menschen in der „Geistkraft“ leben? Paulus schreibt im Brief an die Gemeinde in Galatien klar: Geistkraft wird im Tun, im Leben sichtbar: Liebe und Freude und Friede und Grossmut und Freundlichkeit und Treue und Bescheidenheit und Selbstbeherrschung und und und …
„Fleisch“, das meint die Lebenswesen, lebendig und sterblich. Der Prophet Joel gibt Einblick in das Leben in Juda im 4. Jahrhundert v. Chr. Land und Menschen sind bedroht, die Klage darüber führt zur Hoffnung, dass Gott Veränderung bringen möge. Veränderung geschieht durch Umkehr, Menschen verändern die Blickrichtung, Menschen gehen neue Wege, mit der Ruah Gottes, die die Machtverhältnisse radikal verändert. Mann und Frau, Alt und Jung, Herrscher und Beherrschte – alle sind von Gottes Geistkraft erfüllt.
Ruah ist das hörbare Keuchen beim Geburtsvorgang und das erleichterte Luftschöpfen und Aufatmen nach gelungener Geburt, ist schöpferisch, Leben bringend. Zugleich ist es gefährlich, Geburt ist immer auch eng mit Todesgefahr verbunden. Vermutlich ist deshalb Ruah grammatisch immer dann mit dem weiblichen Artikel verbunden, wenn es um Schöpferisches, Lebensförderndes geht.
Feministische Theologie hat im vorigen Jahrhundert die Ruah wiederentdeckt und diese faszinierende Kraft neu ins Bewusstsein gerufen. Ruah ist vermutlich ein lautmalerisches Wort, es ahmt das Geräusch des vorbeipfeifenden Windes und des erregten Atems nach.
„Wir kämpfen nicht, um die Vergangenheit zu verteidigen, sondern wir arbeiten mit Geduld und Zuversicht an allen Orten, an denen wir uns täglich aufhalten, um die Zukunft aufzubauen.“ Mit diesen Worten schliesst Papst Franziskus seine Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, den wir heute begehen.
Dass Priszilla als Mitarbeiterin des Paulus, also als Verkünderin des Evangeliums an verschiedenen Stellen jeweils vor ihrem Mann genannt wird, lässt aufhorchen. Ihr Beitrag zur Ausbreitung des Christentums wurde offensichtlich als wichtiger angesehen als der des Aquila. Das überrascht auch im 21. Jahrhundert. Im aktuell geltenden Gesetzesbuch der Kirche kann die Frau im Unterschied zum Mann nicht dauerhaft, sondern nur aufgrund einer zeitlich begrenzten Beauftragung liturgische Dienste wahrnehmen.
Messdiener darf keine Frau sein; wenn aber ein Mann fehlt, soll aus berechtigtem Grund nach der gleichen Verordnung eine Frau aus der Ferne antworten, und auf keinen Fall an den Altar herantreten.
Der Mensch ist Mann oder Frau. Mit dem Ja zur Frau tut sich die Kirche immer noch schwer. Ist das Geschlecht der Person je eine Glaubensfrage? Gehört die Bindung der Weihe an nur eines der Geschlechter zum unveränderbaren Glaubensgut oder ist die in diesem Fall heraufbeschworene Tradition nicht vielmehr ein Relikt des Zeitgeistes über Jahrhunderte? Das Evangelium zeigt Wege aus der Sackgasse.
Die Sprache der Kirche, aber auch die ganze Kultur in der Kirche sind immer noch einseitig männer-geprägt. Weil sich so wenig bewegt, versuchen einige – was verständlich ist – drastisch dreinzufahren. Ob sie nicht manchmal das Kind mit dem Bade ausschütten? Wie können wir anders auf dem Weg bleiben?
„Liebe Brüder“ - Bis vor 30 Jahren war diese Anrede selbstverständlich. In jedem Gottesdienst wurden nur die Brüder genannt. Und wenn jemand protestiert hat? Dann erhielt man die Antwort: "Selbstverständlich sind die Schwestern mitgemeint". So hat es über Jahrhunderte funktioniert.
Nach dem Zeugnis des heiligen Paulus überschreitet dieses Sakrament Grenzen, an denen wir heute noch immer wieder stehen bleiben: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus“ (Gal 3,28).
Wie sieht dieses neue Gesicht der Kirche aus, das sich in der Frauenfrage als einem Zeichen der Zeit zu Wort meldet? Es ist ohne Zweifel schön und lebendig, zugleich versehrt und verletzlich. Ich wünschte, ich könnte es Ihnen zeigen. Ich habe jedoch nur Spuren...
Es sind die Frauen, die das diakonische Gesicht der Kirche massgeblich prägen. Die Kirche steht heute in harten gesellschaftspolitischen und ethischen Auseinandersetzungen. In diesen Spannungsfeldern sind Frauen bereits präsent mit ihrer professionellen Kompetenz.
Wenn ich mir vorstelle, dass man über die weltweite Vielfalt von Frauenleben ins Gespräch kommt – warum nicht ein „G8 von Frauen" im Vatikan?! –, dann wird sich die Sichtweise auf „die Frau“ verändern. Entsprechend werden sich daraus auch Perspektiven ergeben, wie Frauen ihr Potenzial in der Kirche einbringen können, wo ihr Platz ist, auch in den Strukturen der Kirche.
Das kann und soll dazu führen, das neue Gesicht der Kirche sichtbar werden zu lassen, in dem nicht nur die Frauen ihren Platz auf neue Weise einnehmen, sondern – vielleicht deren Weg der Selbstbefreiung folgend – auch die Männer.
Junge Frauen melden sich in der Kirche zu Wort: „Ich erwarte, dass ich in der Kirche authentisch Jesus Christus begegnen kann, und zwar mit allen meinen Gaben und Fähigkeiten und auch meinem Frausein. … Ich erwarte von der Kirche insbesondere auch, dass sie die Charismen zur Leitung, die es auch unter Frauen gibt, positiv entgegennimmt.“
Wie könnte ein Dialog zwischen den Bischöfen und den Frauen aussehen? Jesus lernt vom Glauben der Frau, und das vor den Augen seiner Jünger. Er lässt sich herausfordern und überzeugen; die Überraschung der Erzählung liegt in der Umkehr Jesu über die Grenzen seines eigenen theologischen Denkens hinaus, die durch den Glauben der Frau provoziert wird.
Das ist unglaublich: die erste öffentliche Tat des Menschgewordenen - ein Akt der Konversion. Bekehrung als Haltung gegenüber dem Willen Gottes ist nicht eine Abkehr, sondern eine Hinkehr. Die Haltung brauchen wir in der Kirche, wenn wir das neue Gesicht einer Kirche mit den Frauen finden wollen.
Wiborada, Patronin aller Festgenagelten, ans Bett Gefesselten, in Beziehung Verstrickten zum Bleiben Gezwungenen. Du, die Freie unter den Gefangenen, die nur in einem Buch liest, im Buch des Lebens, in der unvergleichlichen Bibliothek des Lebens. (Josef Osterwalder)
„Wiborada, eingeschlossen in deiner Zelle kommst du zu dir. Eingeschlossen wirst du frei, eingemauert hält dich keine Mauer mehr. An den Ort gebunden, bist du der Welt verbunden.“ (Josef Osterwalder)
Die dritte Person im Redaktionsteam für die Impulse ist Jacqueline Keune. Sie ist freischaffende Theologin und begründet ihre Mitwirkung im Redaktionsteam so:
Am 2. Mai 2016 wird die Pilgergruppe nach Rom aufbrechen. Genau ein Jahr vorher, am 2. Mai 2015, beginnt eine Reihe, bei der täglich ein Impuls aufgeschaltet wird.
Betreut wird diese Impulsreihe 2015 von einem dreiköpfigen Redaktionsteam:
Sr. M. Ruth Nussbaumer gehört zu den Zisterzienserinnen im Kloster Eschenbach LU. Sie begleitet das Projekt „Für eine Kirche mit den Frauen“ von Anfang an. Am 6. Januar 2015 schrieb sie ...
Paulus schreibt in seinem Brief an die „Heiligen in Ephesus, die an Jesus Christus glauben“: „Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“ (Eph 2,19). – Ich mache beim Projekt „Kirche mit den Frauen“ mit, damit es in unserer Kirche zukünftig auch heisst: Mitbürgerinnen und Hausgenossinnen.
Vor über 800 Jahre machte sich ein kleiner, unbedeutender Mann aus Assisi auf nach Rom, um dem damals mächtigsten Mann der Kirche, Papst Innozenz III., sein Anliegen vorzubringen - das Anliegen, nach dem Evangelium leben zu dürfen.
(Vortrag von P. Martin Werlen OSB, Pfarrei Liebfrauen Zürich, 30. März 2015)
Liebe Getaufte
Das heftige Gewitter könnte schon gleich am Anfang losgehen, wenn ein Mann zur Frauenfrage in der Kirche spricht… Aber aus verschiedenen Gründen wage ich es, mich zu diesem Thema zu äussern:
Ich bin von Frauen dazu eingeladen worden: Von meinen Mitschwestern im Kloster Fahr und von Frauen im Vorstand des Vereins Pro Kloster Fahr.
„Welche Präsenz hat die Frau in der Kirche? Kann sie noch stärker gewürdigt werden?“, so fragte Papst Franziskus im Oktober 2013.
Wenn meine persönliche Antwort „ja“ lautet, so möchte ich sogleich anfügen: Bitte stellt nicht mehr lange solche Fragen, sondern lasst uns etwas tun. Vor allem wünsche ich mir, dass diese meine römisch-katholische Kirche lernt, die richtige Ebene zu treffen. Bereitschaftserklärungen, die Sicht von Frauen stärker berücksichtigen zu wollen, genügen nicht (und grenzen manchmal an Peinlichkeit). Auch bei manchem Nachdenken über das, was spezifisch weiblich wäre, wird mir (und vermutlich vielen Frauen) eher unwohl – wir Frauen werden zu Gegenständen des Nachdenkens gemacht. Dabei möchten Frauen an Entscheidungsprozessen teilnehmen und Verantwortung übernehmen (oder möchten jedenfalls davon ausgehen können, dass andere Frauen in verantwortlichen Positionen die Kirche mitprägen).
Darum engagiere ich mich für eine Kirche mit den Frauen.
Als Getaufte bin ich Teil der Kirche und ich liebe diese Kirche. Ich wünsche mir, dass man(n) in der Kirche auf die Stimme, die Erfahrung von uns Frauen hört und uns, wie es der heilige Benedikt in seiner Regel lehrt, bei Beratungen und Entscheidungen, welche die ganze Gemeinschaft betreffen, einbezieht (vgl. Benediktsregel Kapitel 3), so dass das Charisma der Frauen das Leben der Kirche bereichert.
Das Projekt «Für eine Kirche mit den Frauen» will einen Prozess in Gang bringen, «Boden bereiten». Dieser Ansatz gefällt mir und ich bin sehr gespannt, was daraus wächst!
Männer und Frauen sind ebenbürtig – dafür stehe ich ein und dafür nehme ich den Weg nach Rom unter die Füsse. Meine Vision ist, dass am 2. Juli 2016 hunderttausend Frauen und Männer auf dem Petersplatz präsent sind und mit uns, für eine Kirche mit den Frauen einstehen.
Bonaventura sagt sinngemäss, dass sich die Theologie immer weiter schreiben muss. Ich finde das Projekt gut, weil dadurch die Würde und Wertschätzung der Frau weiter geschrieben wird.
In der Kirche habe ich einen Schatz gefunden – eine grosse Liebe. Wenn ich diesen Schatz nicht geschmeckt hätte und er mich nicht immer aufs Neue verlocken würde, hätte ich wahrscheinlich der Kirche schon länger den Rücken zugedreht. Die Kirche ist leider Meisterin darin, sich unattraktiv zu machen. Sie bietet vielen modernen Menschen keine Heimat mehr. In den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten konnte sie darauf bauen, dass die Menschen aus Zugehörigkeit oder Tradition bei ihr blieben.
Meine und die folgenden Generationen suchen ungeachtet aller Äusserlichkeiten Authentizität. Sie suchen, bis sie diese finden. Oftmals finden sie sie in der Kirche nicht und wenden sich von ihr ab. Ich kann sie verstehen.
In der Gesellschaft ist die Ebenbürtigkeit der Geschlechter zunehmend selbstverständlich. Die Kirche hinkt da um Jahrhunderte hintendrein. Das ist vielen so unverständlich, dass sie den Blick hinter die Kulissen gar nicht erst investieren. So bleibt der Schatz ungesehen und ungeschmeckt. Ich träume von einer Kirche, die ausstrahlt, was sie im Innersten zusammenhält. Sie wäre so anders: vital, bunt, pulsierend, inspirierend. Ich träume davon, dass die jüngeren Generationen ihre spirituelle Sehnsucht in der eigenen Tradition stillen können. Weil sie nicht mehr an ungerechten und unglaubwürdigen Strukturen abprallen. Darum setze ich mich für eine Kirche mit den Frauen ein.
Im September 2013 trifft mich wie ein Blitz der Gedanke: Ist nicht jetzt der Zeitpunkt „Für eine Kirche mit den Frauen“ nach Rom zu pilgern!? Die Idee fällt bei vielen Frauen und Männern, Laien, Ordensleuten und Klerikern auf offene Ohren. Ein Kernteam bildet sich. Ein Grundtext entsteht. Das Anliegen heisst: Wir nehmen 1000 km unter die Füsse dafür, dass Männer in der Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion nachdenken und entscheiden. Das Projekt wächst weiter und beginnt Kreise zu ziehen. Wir finden binnen kurzer Zeit AutorInnen, die ab Mai 2015 Impulse schreiben. Im Bistum St.Gallen gestalten Frauen thematische Abende und geben Zeugnis für die Kirche. Pilgerstart ist am 2. Mai 2016. Wir hoffen, dass am 2. Juli 2016 mit uns zusammen viele Menschen in Rom ein Zeichen setzen werden.
In den nächsten Wochen stellen sich die Mitglieder der Pilgergruppe und der Arbeitsgruppe kurz vor: Mit welchen Anliegen engagieren sie sich für das Projekt „Für eine Kirche mit den Frauen“?
Die Mitglieder der Pilger- und Arbeitsgruppe von links: Hildegard Aepli, Br. Damian Keller, Lea Stocker, Esther Rüthemann, Priorin Irene Gassmann, Urban Fink, Eva-Maria Faber (im Bild fehlt Franz Mali)
Die Rede von Margareta Gruber OSF am Studientag der Deutschen Bischofskonferenz zum Thema „Über das Zusammenwirken von Frauen und Männern in der Kirche“ hat uns inspiriert. Hier lesen Sie mehr.