Alles klar. Und doch ist es für mich nicht immer so klar, schon wenn ich meine unterschiedlichen Arbeiten betrachte. Wenn ich das Bad putze ist das Arbeit. Gleich wie wenn ich meinen Unterricht vorbereite oder eine Predigt schreibe. Und wie ist es mit der Arbeit von Mann und Frau?
Beziehung. Das bedeutet für mich: Ich kann nicht nur aus mir selber leben. Ich bin – wie alle Lebewesen – auf andere angewiesen. Wir brauchen Kontakt, Berührung, Unterstützung, gegenseitig, um wachsen und lernen zu können. Sehen und Gesehenwerden, Hören und Gehörtwerden, Fühlen und Gefühltwerden, heisst leben können. Gilt dies auch für Gott?
Die Geschichte der Kirche zeigt, dass das Ideal der Geschwisterlichkeit zwar gerne betont wird, strukturell aber noch immer nicht verwirklicht ist. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Geschwisterlichkeit in der Kirche auch einmal strukturell und rechtlich umgesetzt wird. Für eine Kirche mit den Frauen…
Sie hat ihm die Hemden gebügelt und den Anzug an die frische Luft gehängt. Sie hat das Frühstück vorbereitet und zugehört beim Mittagessen. Wenn er am Abend spät erst heimkam, hat sie ihm noch etwas zum Essen beiseite gestellt. Nun ist er hochbetagt gestorben.
Ich möchte lernen, meinen Blick zu schärfen für jene, die an sich dazu gehören, aber nicht sichtbar werden. Hier ist es allenfalls Lazarus, häufig sind es Frauen oder Kinder oder Menschen mit einer Einschränkung oder…
Das Neue Testament kennt einen besonderen Begriff für die Gemeinschaft derjenigen, die Jesus nachfolgen: Koinonia. Zur Nachfolgegemeinschaft gehören Männer und Frauen. Sie nehmen gegenseitig aneinander Anteil und lassen sich auf eine Lebensgemeinschaft miteinander ein.
Ruah hat uns in den vergangenen Tagen begleitet – Atem und Geist, Weite und Raum, fast möchte ich sagen: Leben. Für mich gehört, gerade am Pfingstsonntag, noch eine Kraft dazu, von der noch nicht die Rede war: Humor.
Sich als Kirche auf den Weg machen – mit Ruah als Begleiterin. Papst Franziskus gibt Hoffnung dafür. Papst Johannes XXIII. hat es konkret gelebt, er öffnete die Fenster der katholischen Kirche, um frischen Wind herein zu lassen.
Woran kann man merken, dass Menschen in der „Geistkraft“ leben? Paulus schreibt im Brief an die Gemeinde in Galatien klar: Geistkraft wird im Tun, im Leben sichtbar: Liebe und Freude und Friede und Grossmut und Freundlichkeit und Treue und Bescheidenheit und Selbstbeherrschung und und und …
„Fleisch“, das meint die Lebenswesen, lebendig und sterblich. Der Prophet Joel gibt Einblick in das Leben in Juda im 4. Jahrhundert v. Chr. Land und Menschen sind bedroht, die Klage darüber führt zur Hoffnung, dass Gott Veränderung bringen möge. Veränderung geschieht durch Umkehr, Menschen verändern die Blickrichtung, Menschen gehen neue Wege, mit der Ruah Gottes, die die Machtverhältnisse radikal verändert. Mann und Frau, Alt und Jung, Herrscher und Beherrschte – alle sind von Gottes Geistkraft erfüllt.
Ruah ist das hörbare Keuchen beim Geburtsvorgang und das erleichterte Luftschöpfen und Aufatmen nach gelungener Geburt, ist schöpferisch, Leben bringend. Zugleich ist es gefährlich, Geburt ist immer auch eng mit Todesgefahr verbunden. Vermutlich ist deshalb Ruah grammatisch immer dann mit dem weiblichen Artikel verbunden, wenn es um Schöpferisches, Lebensförderndes geht.
Feministische Theologie hat im vorigen Jahrhundert die Ruah wiederentdeckt und diese faszinierende Kraft neu ins Bewusstsein gerufen. Ruah ist vermutlich ein lautmalerisches Wort, es ahmt das Geräusch des vorbeipfeifenden Windes und des erregten Atems nach.
„Wir kämpfen nicht, um die Vergangenheit zu verteidigen, sondern wir arbeiten mit Geduld und Zuversicht an allen Orten, an denen wir uns täglich aufhalten, um die Zukunft aufzubauen.“ Mit diesen Worten schliesst Papst Franziskus seine Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, den wir heute begehen.
Dass Priszilla als Mitarbeiterin des Paulus, also als Verkünderin des Evangeliums an verschiedenen Stellen jeweils vor ihrem Mann genannt wird, lässt aufhorchen. Ihr Beitrag zur Ausbreitung des Christentums wurde offensichtlich als wichtiger angesehen als der des Aquila. Das überrascht auch im 21. Jahrhundert. Im aktuell geltenden Gesetzesbuch der Kirche kann die Frau im Unterschied zum Mann nicht dauerhaft, sondern nur aufgrund einer zeitlich begrenzten Beauftragung liturgische Dienste wahrnehmen.
Messdiener darf keine Frau sein; wenn aber ein Mann fehlt, soll aus berechtigtem Grund nach der gleichen Verordnung eine Frau aus der Ferne antworten, und auf keinen Fall an den Altar herantreten.
Der Mensch ist Mann oder Frau. Mit dem Ja zur Frau tut sich die Kirche immer noch schwer. Ist das Geschlecht der Person je eine Glaubensfrage? Gehört die Bindung der Weihe an nur eines der Geschlechter zum unveränderbaren Glaubensgut oder ist die in diesem Fall heraufbeschworene Tradition nicht vielmehr ein Relikt des Zeitgeistes über Jahrhunderte? Das Evangelium zeigt Wege aus der Sackgasse.
Die Sprache der Kirche, aber auch die ganze Kultur in der Kirche sind immer noch einseitig männer-geprägt. Weil sich so wenig bewegt, versuchen einige – was verständlich ist – drastisch dreinzufahren. Ob sie nicht manchmal das Kind mit dem Bade ausschütten? Wie können wir anders auf dem Weg bleiben?
„Liebe Brüder“ - Bis vor 30 Jahren war diese Anrede selbstverständlich. In jedem Gottesdienst wurden nur die Brüder genannt. Und wenn jemand protestiert hat? Dann erhielt man die Antwort: "Selbstverständlich sind die Schwestern mitgemeint". So hat es über Jahrhunderte funktioniert.
Nach dem Zeugnis des heiligen Paulus überschreitet dieses Sakrament Grenzen, an denen wir heute noch immer wieder stehen bleiben: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus“ (Gal 3,28).
Wie sieht dieses neue Gesicht der Kirche aus, das sich in der Frauenfrage als einem Zeichen der Zeit zu Wort meldet? Es ist ohne Zweifel schön und lebendig, zugleich versehrt und verletzlich. Ich wünschte, ich könnte es Ihnen zeigen. Ich habe jedoch nur Spuren...
Es sind die Frauen, die das diakonische Gesicht der Kirche massgeblich prägen. Die Kirche steht heute in harten gesellschaftspolitischen und ethischen Auseinandersetzungen. In diesen Spannungsfeldern sind Frauen bereits präsent mit ihrer professionellen Kompetenz.
Wenn ich mir vorstelle, dass man über die weltweite Vielfalt von Frauenleben ins Gespräch kommt – warum nicht ein „G8 von Frauen" im Vatikan?! –, dann wird sich die Sichtweise auf „die Frau“ verändern. Entsprechend werden sich daraus auch Perspektiven ergeben, wie Frauen ihr Potenzial in der Kirche einbringen können, wo ihr Platz ist, auch in den Strukturen der Kirche.
Das kann und soll dazu führen, das neue Gesicht der Kirche sichtbar werden zu lassen, in dem nicht nur die Frauen ihren Platz auf neue Weise einnehmen, sondern – vielleicht deren Weg der Selbstbefreiung folgend – auch die Männer.
Junge Frauen melden sich in der Kirche zu Wort: „Ich erwarte, dass ich in der Kirche authentisch Jesus Christus begegnen kann, und zwar mit allen meinen Gaben und Fähigkeiten und auch meinem Frausein. … Ich erwarte von der Kirche insbesondere auch, dass sie die Charismen zur Leitung, die es auch unter Frauen gibt, positiv entgegennimmt.“
Wie könnte ein Dialog zwischen den Bischöfen und den Frauen aussehen? Jesus lernt vom Glauben der Frau, und das vor den Augen seiner Jünger. Er lässt sich herausfordern und überzeugen; die Überraschung der Erzählung liegt in der Umkehr Jesu über die Grenzen seines eigenen theologischen Denkens hinaus, die durch den Glauben der Frau provoziert wird.
Das ist unglaublich: die erste öffentliche Tat des Menschgewordenen - ein Akt der Konversion. Bekehrung als Haltung gegenüber dem Willen Gottes ist nicht eine Abkehr, sondern eine Hinkehr. Die Haltung brauchen wir in der Kirche, wenn wir das neue Gesicht einer Kirche mit den Frauen finden wollen.
Wiborada, Patronin aller Festgenagelten, ans Bett Gefesselten, in Beziehung Verstrickten zum Bleiben Gezwungenen. Du, die Freie unter den Gefangenen, die nur in einem Buch liest, im Buch des Lebens, in der unvergleichlichen Bibliothek des Lebens. (Josef Osterwalder)
„Wiborada, eingeschlossen in deiner Zelle kommst du zu dir. Eingeschlossen wirst du frei, eingemauert hält dich keine Mauer mehr. An den Ort gebunden, bist du der Welt verbunden.“ (Josef Osterwalder)